hier wieder der aktuelle Bericht meiner Reise: Also,
Am nächsten Tag habe ich noch das Art Institute besucht und dabei mehr berühmte Bilder an einem Ort gesehen als jemals zu vor: Rodin, van Gogh, Picasso, Munch, Monet etc. pp. Abends habe ich dann für Eric und seine Mitbewohnerin gekocht und wir sind auf die Geburtstags-Party von einem Freund von ihm gegangen. Da konnte ich mir dann als deutscher erstmal von den Amis erklären lassen wie man Bier braut, die setzten nämlich gerade ihr Weihnachtsbier an.
Am nächsten Tag bin ich dann weiter nach St. Louis um Antonio zu besuchen. St. Louis war so ziemlich die erste Stadt auf meinem Trip durch die USA, das nicht mit gentrifizierung zu kämpfen hat, sondern mit dem Absoluten Gegenteil: Niemand will in der Innenstadt wohnen, die meisten Bewohner ziehen ein Haus in den Suburbs vor. Das sorgt dafür, dass die Innenstadt von St. Louis nach 17h gespenstisch leer ist. Und es sorgt dafür, dass es Stadtteile wie Old North St. Louis gibt: Man stelle sich einen normalen amerikanischen Innenstadtbezirk vor mit vielen Straßenzügen voller kleiner Reihenhäuser, dazwischen mal eine kleine Kirche oder ein produzierender Betrieb. Old North St. Louis war mal so ein Bezirk. Heute sind ca 50% der Häuser eingestürzt und abgerissen worden und durch Grasfläche ersetzt worden (Teilweise ganze Blocks in denen nur noch zwei einzelne Reihenhäuser stehen!). Von den verbleibenen Häusern stehen die Hälfte leer oder fallen langsam in sich zusammen. Diesen Stadtteil zu besuchen was so unglaublich merkwürdig! Mit Sicherheit das merkwürdigste, was ich auf dieser Reise erlebt habe: Die Ecke von St. Louis ist echt schön: Grün, in direkter Nähe zur Innenstadt und wohnen kann man da fast zumsonst. Und trotzdem zieht da niemand hin. Es ist eine Atmosphäre tiefster Friedlichkeit, man hört fast keine Geräusche. Es ist als würde man nur das friedliche Schlafen des ganzen Stadtteils spüren! In der Hoffnung den Bezirk zu beleben hat man eine kleine Einkaufsstraße gebaut, jedoch stehen die Läden leer und die Wohnungen darüber auch und auf den Straßen sieht man nur mal ein Eichhörnchen, sonst keine Lebewesen. Wenn ich ein Extraleben hätte, dann würde ich da wohnen wollen und sehen, wie sich dieser Stadtteil weiter entwickelt!
Ansonsten war meine Zeit in St. Louis nicht spektakulär aber sehr entspannend. Tagsüber bin ich durch die Stadt gezogen und hab Cafes, Vintage-Stores, Second-Hand-Läden und Parks unsichergemacht und am letzten Tag noch den botanischen Garten besucht. Abends habe ich wieder beste deutsche Küche unters Volk gebracht: Westfälische Gemüsesuppe, Geschentzeltes, Kaiserschmarrn (man kennt das ja ...;)) und mit Antonios WG rumgehangen. Die haben sowieso die tollste WG allerzeiten: Die selbstgebaute Ciderpresse im Keller und der Dachgarten sind nur einige der Highlights.
Dann bin ich weitergefahren nach Memphis um dort ein paar Tage den "echten Süden" kennenzulernen: BarBQ, Waffen-Narren und Autoabhängigkeit inklusive. Ich hatte da echt tolle Tage, muss aber leider sagen, dass das nicht an der Stadt liegt, sondern an Gabe (mein CS Host) und seinen Freunden. Die Stadt ist ein Moloch, eine Ausblick aufs Fegefeuer kapitalischer Politik. Einige Beispiele: Von Gabes Haus in den Suburbs war es nur ein kleiner 3,5 Meilen (!) Marsch zur nächsten Bushaltestelle und dort wartete man dann auf den Bus, der ohne festen Fahrplan fährt. Kommt der Bus dann mal, ist es nur ein kleiner Ritt von 65 Minuten (oder 107 Haltestellen) in die Innenstadt. Da kann man dann zum Beispiel nochmal 30 Minuten auf den Bus nach Graceland warten, der einen dann in 40 Minuten zu Elvis Vila bringt, wo man für die horende Summe von 30$, als Teil einer Schafherde von Touristen durch die Gänge der Villa gescheucht wird während man sich mit leichter Übelkeit Gedanken über den Rückweg macht. Ich habe zwischendurch wirklich geschäumt vor Wut, von Städteplanung haben die hier echt einfach mal keine Ahnung. Naja, aber BarBQ war echt extrem lecker, der Besuch der Sun Studios wo Elvis, Jerry Lee Lewis und Jonny Cash entdeckt wurden war auch nicht schlecht und ich habe auch einen Blick in die Gibson Gitarren Fabrik werfen können (leider waren die Touren schon Tage im Vorraus ausgebucht). Insgesamt ist die Stadt aber eher uninteressant und gerade für Leute ohne Auto absolut nicht zu empfehlen.
So und jetzt bin ich auf dem Weg ins US Party Mekka: New Orleans. Mal sehen was da so geht :)
Bis bald und gehabt euch wohl
Jonas
Fotos hier (Chicago) und hier (St. Louis)!
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