Geneigter Leser, liebe Trauergemeinde, hohes Haus,
ich hab schon lange nichts mehr hier geschrieben, deswegen jetzt ein umfangreiches und gleichzeitig kurzes Update:
Ich hatte vergnügliche Tage in New Orleans: Ich habe bei zwei verschiedenen WGs gesurft und die Zeit extrem genossen. Das Wetter hätte nicht besser sein können, nur Sonne und blauer Himmel. Dazu die Möglichkeit endlich mal wieder ein bischen joggen zu gehen und das sogar mit Trim-Dich-Pfad. Ansonsten ist New Orleans eine absolute Partystadt und wenn man Abends auf der Burbon-Street unterwegs ist, wo - entgegen meiner Erwartungen auch abseits von Mardi Gras - Frauen im Gegenzug für eine Kette mit Plastik-Perlen ihre Brüste in die warme Nachtluft halten, wird einem dabei etwas schlecht. Aber in restlichen French Quater geht es viel gesitteter zu: Nette kleine Bars, großartiges Essen mit creolischer inspiration und köstliches Gebäck (beignets). Wo wir schon dabei sind: Ein Besuch in einem Strip-Club ist nur eine der neuen Erfahrungen, die ich wärend meiner Zeit in New Orleans machen konnte. Bizarr aber unterhaltsam ;)
Dann war es Zeit New Orleans schweren Herzens den Rücken zuzukehren und weiterzureisen. Erstmal bin ich nach Galveston, eine kleine Insel an der Küste von Texas. Und weil ich nach 6 Wochen Couchsurfing ein dringendes Bedürfnis nach Privatsphäre hatte, habe ich mir ein Motelzimmer gemietet. Natürlich absolut unterste Preis-Klasse und so sah es da auch aus. Aber immerhin, großes bequemes Bett, eigenes Bad, 100m vom Strand. Was will man mehr? Also habe ich zwei Tage mit Lesen am Strand, spazieren gehen, schwimmen und joggen verbracht. Dabei muss ich leider erwähnen, dass der Golf von Mexico viel zu warm ist! Es war Mittags so heiß, dass ich in mein Motel-Zimmer geflüchtet bin, weil es da eine Klimaanlage gab und bei 40°C ist 28°C warmes Wasser eben auch nicht mehr sehr erfrischend.
Weiter ging es also nach Austin. Dort bin ich leider nur für 2 Nächte geblieben, dabei hat diese Stadt sicher einiges zu bieten, mehr als ich in der kurzen Zeit sehen konnte. Ich bin mit meinen Couchsurfing Hosts feiern gewesen (College Party und Studenten-Wohnheim-Party) und bin tagsüber in einem Naturfreibad schwimmen gewesen. Das Freibad war eine mit Quellwasser gefüllte Felsspalte, das war eine nette Abwechslung zum Chlorwasser, dass hier aus den Duschen kommt (oder der Brühe, die im Golf von Mexico schwimmt). Danach bin ich im Grüngürtel von Austin ein bischen wandern gewesen und hab mich verlaufen. Am Ende bin ich aber an einer Mall rausgekommen (wo auch sonst) und hab mir da nen neuen Ipod gekauft, da mein alter leider den Geist aufgegeben hat.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Denver war es dann soweit. Ich hatte mir für ein paar Tage einen Mietwagen besorgt und konnte jetzt absolut frei durch die gegend Cruisen. Es war Zeit mal in die Kleinstädte zu kommen, dort wo der Greyhound eben nicht hinkommt. Also bin ich los in die Rockie Mountains. Das Wetter war kalt und klar (5°C) und die Sicht war entsprechend umwerfend, anfangs zumindest. Je tiefer ich in die Rockies kam, desto wolkiger und kälter wurde es. Bis der Punkt erreicht war, an dem ich mitten in einem Schneesturm einen Gebirgspass in 12.000 Fuss höhe überqueren wollte. Wärend die ersten LKWs anhielten, um ihre Schneeketten anzulegen, überlegte ich, ob mein kleines Autochen eigentlich mit Sommer oder All-Jahres-Reifen ausgestattet war. Langsam habe ich mich über den Pass geschlichen (zweitweise Sichtweite unter 20m) und dann war es soweit, ich war auf der anderen Seite und auf einmal war der Blick frei! Unter mir lag eine weite Grasebene, leicht mit Schnee bepudert in der sich ein im Sonnenlicht glänzender Fluss schlängelte und im Hintergrund in 30-40 Meilen Entfernung erhoben sich die nächsten schneebedeckten Bergketten. Großartiger Ausblick! Schade, dass ich kein Foto machen konnte :(
Angekommen im kleinen Örtchen Crested Butte (da lagen 40cm Schnee), habe ich das gemütlichste Hostel bezogen, dass man sich vorstellen kann: Riesiger Gemeinschaftsraum mit Kamin und Sofas und großer Küche. Da habe ich dann erstmal nen bischen die Seele baumeln lassen, bin durch den SChnee gewandert, hab gelesen und gekocht. Da wäre ich wirklich am liebsten direkt geblieben. Aber es musste ja weitergehen, also wieder in Auto und weiter ging es durch den wunderschönen Staat Utah. Ich hatte einfach die Adresse des Hostels in Crested Butte und Monument Valley bei Google Maps eingegeben und bin der Route gefolgt. Abenteuerlich! Irgendwann war die befestigte Straße zuende und der Highway 90 verwandelte sich in einen Schotterpiste und das für 120 Meilen! In der Zeit habe ich kaum andere Fahrzeuge gesehen und kein HAus! Ich bin fast 3 Stunden durchs Unterholz gebrettert, ich hatte den Mietwagen versichert und war entsprechend furchlos. Mit 60 durch die Kurven, Schotter in alle Richtungen spritzend und eine große Staubwolke hinter mir herziehend habe ich Utah durchquert. Später bin ich auf Straßen, die auf 15 Meilen keine Kurve hatten gefahren, mit 100mph und Steppenwolf im Radio, ein absolutes Hochgefühl. Im Monument Valley habe ich nen Nacht gecampt (bedeutet: bei 0° im Auto genächtigt) und habe da den tollsten Sonnenuntergang überhaupt gesehen und der Sonnenaufgang war mindestens genauso eindrucksvoll, Wirkliche in toller Ort! Die Felsen fallen leider zunehmend in sich
Danach war der Grand Canyon dran, leider muss ich sagen, dass ich den im Vergleich zu den Berg-Panoramas in Colorad extrem unspektakulär fand. Ist eigentlich nur ein staubiges Loch in der Wüste. Vielleicht war ich nach 4 Tagen spektakulärer Ausichten aber auch einfach nur ein bisschen abgestumpft. Im Grand Canyon habe ich nochmal gecampt und (wie auch schon im Monument Valley) war so gut wie niemand auf dem Campingplatz. Da war ich zum ersten mal etwas einsam, als ich abends alleine vor meinem Lagerfeuer saß und da Würsten gebraten und Marshmellows geröstet hab. Aber dafür wurde ich mit einem wunderbaren Wüsten-Sternenhimmmel belohnt! Mit Milchstraße und allem Drum und Dran.
Am darauffolgenden Tag bin ich nach Sedona gefahren, ein kleiner Ort südlich von Flagstaff, rote Felsen und lauschige Bäche, ein Traum für alle Wanderer und Mountainbiker. Da habe ich den Tag über nen bischen gehikt und bin nachmittags schwimmen gegangen, in einem klaren, eiskalten Fluss.
Am Tag darauf bin ich weiter nach Las Vegas, was ich absolut schrecklich fand. Ein Ort der alles übertreibt, was ich an Amerika nicht mag: Alles ist teuer, falsch, leuchtet und ist aus Plastik. Ich bin abends einmal den Strip hoch und runtergelaufen und war mir dann sicher, dass das nicht mein Ort ist. Also bin ich direkt am nächsten Morgen weiter Richtung Yosemite Valley. Und was mir dabei passiert ist, ist wieder eine neue Geschichte, die ich das nächste mal erzälen werde.
So long
Jonas
PS: Ich bin zu faul hier Fotos einzuarbeiten, also schaut sie euch selbst an:
Memphis
New Orleans
Austin
Roadtrip
du hast in new york mit so tollen flugzeugfotos angefangen...die vermisse ich etwas! ;)
AntwortenLöschenweiterhin viel spass jonas!
fulli
Voll schoen dass alles zu lesen. Ich wusste gar nicht, dass du so ein Naturfan bist :). Ich hoffe auf weitere spannende Eintraege. Bis bald! :)
AntwortenLöschenAnja